Über Wittgensteins Form des Lebens

Wittgenstein schlägt folgende Problemlösungsstrategie für ein als problematisch erkanntes Leben vor: „Dass das Leben problematisch ist, heißt, daß Dein Leben nicht in die Form des Lebens paßt. Du mußt dann dein Leben verändern, und paßt es in die Form, dann verschwindet das Problematische.“[1] Das Leben ist ihm also nichts Feststehendes. Es kann verändert werden. Es steht mit dem, das es einfassen soll, seiner Form, in steter Wechselwirkung. Wenn das Leben nun versucht, sich in die Form des Lebens einzufügen, dann verändert es sich. Für Wittgenstein wäre damit das Leben wandelbar, während die Form eher festzustehen scheint. Aber muss sich das Leben wirklich in seine Form einfügen? Ist nicht die Form selbst formbar? Wird die Form als wandelbar begriffen, dann öffnet sich ein umgekehrter Weg: „Dass das Leben problematisch ist, heißt, dass die Form des Lebens nicht auf dein Leben abgestimmt ist. Du musst die Form des Lebens verändern, dann passt das Leben in die Form und das Problematische verschwindet.“ So diktiert nicht die Form des Lebens das Leben, sondern das Leben bestimmt über seine Form.

[1] L. Wittgenstein, Vermischte Bemerkungen, Frankfurt am Main: 1994: S. 62.

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